Erst die Zombies und jetzt The Prodigy

Mein zweiter Text über Adel Tawil

Seit wenigen Monaten gibt es die Sony PlayStation 4. Davor gab es die PS3, davor die PS2 und angefangen hat es mit der PlayStation.

1994 fing der wahnsinnige Spuk in Japan an, 1995 in Europa und Nordamerika. Ich war immer dabei, habe Tomb Raider, Resident Evil, Metal Gear Solid, Silent Hill, Tony Hawk, Final Fantasy und vieles mehr lieben gelernt.

Eines der ersten Spiele, die die Rechenpower der PS1 unter Beweis stellten, war Wipeout 2097, ein anti gravity racer. Während wir mit unseren futuristischen Flitzern über die phänomenalen 3D-Tracks schossen, spielte das Game entsprechend fetzige Musik. Das prominenteste (und wohl auch beste) Stück des Soundtracks war Firestarter von The Prodigy.

Das war Mitte der 90er. Da war Adel Tawil in seiner späten Jugend, ein Heranwachsender. Er war noch nicht Mitglied der Boyband The Boyz, nannte sich noch nicht Kane, wollte aber ganz sicher schon berühmt werden. Klappte aber nicht.

Dafür hat dann leider Annette Humpe sorgen wollen, als diese sich mit ihm auf das hohle Projekt Ich+Ich einließ. Dieses Bandprojekt hatte nichts von dem, was Annette Humpe Jahrzehnte zuvor mit Ideal geschaffen hatte, nullkommanix. Seele verkauft. Schlimmschlechte Schlagermusik und außerdem eine hirnlose Demütigung und herzlose Diskriminierung von Zombies, so dass diese Untoten sich nun 1.000 Mal im Grabe umdrehen bevor sie zurück auf die Welt kommen. Falls sie nun überhaupt noch hierhin zurück wollen.

Ich schrieb darüber: ICH+ICH GEHEN NICHT. ÜBERHAUPT NICHT.

Das war 2011.

Er hat es wieder getan

Meine Eltern haben mich als Kind  immer die Musik hören lassen, die ich mochte, losgelöst von deren eigenem Geschmack. Ein hohes Gut. So mache ich das heute auch und habe meiner Tochter kürzlich gerne das Album Lieder von Adel Tawil geschenkt.

Fast hätte Adel mich mit seinem Song Lieder sogar an den Haken gekriegt. Das stimmte mich gnädig und eine zweite Chance hat jeder verdient.

Das ist poppig und das Spiel mit den vielen Songs – viele davon aus den 90ern – beeindruckt. Seine pathetische Collage setzt sich aus vielen Songs und Alben zusammen, die mir persönlich prima gefallen haben, die Teil meiner Sammlung sind.

Und ich singe diese Lieder //
Tanz‘ mit Tränen in den Augen //
Bowie war für’n Tag mein Held //
Und EMF kann es nich‘ glauben //
Und ich steh‘ im lila Regen //
Ich will ein Feuerstarter sein //
Whitney wird mich immer lieben //
Und Michael lässt mich nich‘ allein //

Andererseits: Es fällt mir fürwahr schwer zu glauben, dass so eine Schlager-Pumpe wie Adel Tawil jemals RATM gehört, geschweige denn dazu gemoscht hat.  Aber was weiß ich.

Die Schnulze Lieder hat jedenfalls etwas ähnlich magnetisches, wie der ein oder andere schlimmschlimme Popsong der Toten Hosen oder andere Karnevalshymnen. Man will nicht trällern, macht manchmal aber leider zwanghaft mit.

Vermutlich so ein Reflex tief im limbischen System.

Ganz tief.

Ich wiederhole mich: Lieder von Adel Tawil hätte mich fast gekriegt. Das mutete wie etwas an, das mit weinrotem Herzblut entstanden war.

Aber ein leiser Verdacht wollte sich immer wieder aufdrängen, und als ich dann vor wenigen Tagen dieses Video von Lieder zu sehen bekam, wurde dieser Verdacht bestätigt und ich musste fast weinen. Oder würgen.

Da war sie wieder, diese unerträgliche Hirnlosigkeit.

Schaut Euch bitte die Stellen bei 0:44 und 3:30 an, bestaunt die seltsamen Feuerstarter, die Daniel Düsentrieb besser nicht hätte erfinden können und fragt Euch bitte auch, wie Adel aus

I’m a firestarter //
Twisted firestarter //
You’re a firestarter //
Twisted firestarter //
I’m the self-inflicted mine detonator //
Yeah! //
I’m the one infected twisted animator//

dies gemacht hat:

Ich möcht ein Feuerstarter sein //


Lieber Adel,

zweierlei möchte ich dich wissen lassen:

Erstens: Ein Firestarter ist nichts anderes als ein Brandstifter. Die kommen mit Benzinkanistern und Zippos, nicht mit Raketenschuhen. Die wollen ganz viel kaputt verbrennen, aber ganz sicher nicht wie Rocketeer wegfliegen.

Zweitens: Feuerstarter gibt es gar nicht.

Firestarter

Was es allerdings gibt, sind Möchtegern-Künstler, die sich auf echte Künstler und deren Schaffenswerke stützen, diese zitieren und damit den Eindruck vermitteln wollen, dass sie in einer ähnlichen Liga spielen wie Kurt Cobain, Michael Jackson, Whitney Houston, Prince, RATM u.v.m.

Das ist arglistig, das ist Täuschung.

Aber du stehst ja nur da oben und singst dein Lied.

2 Antworten auf „Erst die Zombies und jetzt The Prodigy“

  1. Markus Freise Ganz, ganz schlimmer Song. Aber hier wird der auch geträllert. Der einzige Trost: Es gibt noch viel schlimmere *Musik*. Hier wurde sich mal der „Soundtrack“ von „Germanys Next Top Model“ gewünscht und dann sehr lange gehört. Das war Armageddon!

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