new york ’04 . tag 6 . 22.04.

1986 war ich schonmal da. da war’s doof. nur standen da eben die türme noch. nu‘ sind sie weg. kein grund, dem städtchen den zweiten versuch zu verweigern. well done.

tag 6

nach dem aufstehen gebe ich bekannt, dass ich gerne nochmal rumlaufen würde. gerne richtung intrepid. das tun wir dann auch, zunächst aber downtown. downtown ist übrigens die coole variante für südlich. nach ein paar blocks nehmen wir in einer bude platz: frühstücken. eggs on a roll, pancakes. kein versuch uns zu bescheissen. acht dollar vierzig.

wir landen in chelsea. wir landen in einer kleinen gallerie. coole fotos. coole atmosphäre. eine weitere erfahrung, die ihrem stereotyp entspricht. diese wird untermauert durch die zweite gallerie, in die wir eintreten. peace is on terror. love.

der teil new yorks in dem wir nun rumlaufen ist offensichtlich (kaputten) pkws gewidmet. west side. zum ersten mal sehen wir tankstellen und werkstätten und werkstätten und werkstätten. wir biegen ab richtung westküste. mit blick über die schulter sehen wir den in den häuserschluchten sichtbaren smog. einatmen. ausatmen.

pause: ich trinke iced coffee. die holen hier tatsächlich eiskalten kaffee aus kühlschränken und servieren die mit eis im pappbecher. ich hatte mir vorsorglich einen grossen bestellt. was soll ich sagen: schmeckt wie kalter kaffee.

dann ist da der flugzeugträger. die intrepid hat im ww2 gedient und ist seit jahren ein museum – unterbrochen durch 9/11, als sie für ein paar tage als stützpunkt für 750 fbi-agenten herhalten musste. sandra lässt mich das schiff alleine besichtigen. ganz schön gross. beeindruckender: die vielen kampf-flugzeuge (strike eagle, harrier, …) vor diesen stehen männer mit leicht verzerrtem grinsen, die von ihren frauen fotografiert werden wollen. die hände der männer liegen dabei auf den maschinen als wären diese die frau. die abstrusität bleibt mir vermutlich nur erspart, weil ich alleine bin.

die sonne lässt es krachen.

mit der subway nach soho. angepeiltes ziel: new museum of contemporary art. wir gehen aber vorher noch ein paar blocks und stellen mit freu-erschrecken fest, dass wir nun in einer verdammt coolen gegend mit spezial-interessanten leuten und einer menge stylischer shops gelandet sind. spontanplan für den nächsten tag: bummeln in soho. und: wir kaufen uns beide vorsichtshalber schon mal kleidende nettigkeiten.

im museum: hier finden wir zu unserer beider vergnügen eine john waters ausstellung. john waters: change of life. who wants to die for art. neben grossartigen fotoinstallationen werden frühe filmwerke gezeigt. wie typisch sind wir dann plötzlich mitten in einer lesung und buchpremiere – umgeben von kunstmenschen. lars wäre gerne hier. the body in film-making. dazu muss man wissen: das museum ist echt winzig klein. mit uns sind’s evtl. 30 leute. wir verstehen wenig und beschliessen zu gehen. leise.

wieder draussen drängt mich der hunger, den ich hier quasi 24/7 verspüre, nach little italy. ist ja um die ecke. costa azzurra. wir können draussen sitzen. das heisst: direkt an der strasse. direkt neben einer schrottmulde. aber idyllisch, weil ganz viele lichterketten. für diese art von romantik habe ich noch keinen namen. wir essen ganz lecker und trinken merlot.

nebenan sitzt ebenfalls ein junges pärchen, mit dem wir smalltalken. new yorker. sehr nett. er ist soldatinnen-sohn. frankfurt as a little child. sie lacht wie mädels in amerikanischen serien im deutschen tv lachen. trotzdem sehr sympathisch.

sandra und ich stellen fest: jeder, der uns gesagt hat, dass eine woche manhatten genügt, hat uns belogen. bullshit. und wir wissen dabei selber noch nicht, was noch alles kommen mag. wir wollen nicht nach hause. es fühlt sich an wie ein anfang.

zum ersten mal erfahren wir besonderen service. das trinkgeld resp. tip in höhe von 20% wird automatisch von meiner kreditkarte abgebucht. ohne ansage. ohne frage. das pärchen hilft uns, den kellner hierzu zu befragen. er redet sich raus. versucht es zumindest.

wir schlendern richtung heimat, auf der suche nach einer gelegenheit, noch ein gute-nacht-bier zu trinken. auf der grenze zwischen soho und noho (houston street) entscheiden wir uns für den bowery poetry club. dann passiert’s. wieder haben wir glück und sind spontan in einen new yorker poetry slam geraten. uff. das meiste verstehen wir. celena, eine junge frau, trägt worte wahrhaftiger liebe vor und kämpft damit lauthals gegen die unterdrückung von frauen und schwarzen. shabby ist ein lachgott. erstmals wird new york für sandra und mich politisch: „george bush is a mo****f***ing c***sucker“. ebenfalls trägt saul williams vor, dessen text mit „let us be beautiful tonight“ beginnt. saul williams ist obendrein auch der hauptdarsteller in dem amerikanischen movie ‚slam‚. sandra ergattert das script. ich ergattere versprechen, die hoffentlich gehalten werden. für markus.

in einer pause werden wir von einen typen angesprochen, der für ein plattenlabel namens rior werbung macht. er verteilt kostenlose sticker der neubauten, bad brains und von suicide. seltsam aber auch schön. ich ignoriere die hohen kosten für einen alkoholrausch und kaufe mir diesen gepflegt ein. lecker. lecker. lecker.

spät. dunkel. wir nehmen ein taxi. der fahrer versteht sogar ein bisschen englisch und bringt uns für etwas mehr als 5 dollar zum hotel. zum ersten mal schaffe ich es nicht, das web’log zu füllen. weil: selber voll.

ich schlafe einfach nur ein. selig.

[ places: chelsea / gallerien / intrepid / soho / new museum of contemporary art / little italy / noho / bowery poetry club ]

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