Meike, bist Du das wirklich?

In einer Online-Kolumne des Sterns erschien die Tage ein Beitrag von Meike Winnemuth, der im ersten Impuls zu überzeugen scheint, am Ende aber für mich flach und nicht zu Ende gedacht ist. Wenn nicht sogar fü nünü nünü.

Der Titel des Beitrag lautet Je suis Franz Josef (Puh!!) und wurde von so manchen geteilt, verteilt und sogar gemocht. Da denk‘ ich mir: Ein Kommentar darf sein. Schließlich bin ich ja anderer Meinung. Denn …

Logisch ist das nicht

Wenn es regnet, ist die Straße nass. (Richtig)

Logisch. Der Umkehrschluss lautet aber nicht:

Wenn die Straße nass ist, hat es geregnet. (Falsch)

Das ist nicht logisch. Statt dessen ist der Umkehrschluss

Wenn die Straße trocken ist, hat es nicht geregnet. (Richtig)

Boolesche Aussagelogik. Kann man lernen.

Toleranz kommt nicht von toll finden *

So zwischentitelt Meike Winnemuth ihren Beitrag, der u.a. ein Plädoyer für die Toleranz gegenüber Franz Josef Wagner von der BILD-Zeitung [einen Link bekommen die von mir nicht] beinhaltet. Es geht ihr dabei um die Meinungs- und Pressefreiheit und auch um den Blödsinn einer Online-Petition, die ein Ende der Veröffentlichung von Wagners Unfug fordert.

Der logische Umkehrschluss von

Toleranz kommt nicht von toll finden. (Richtig)

ist aber nicht

Nicht tolles muss man tolerieren. (Falsch)

sondern

Wenn ich etwas nicht toll finde, bedeutet das nicht, dass ich es nicht toleriere. (Richtig)

Der boolsch‘ Ungeübte mag da ein wenig Zeit brauchen, stimmt aber.

Boolscher Umkehrschluss

Es wäre großer Blödsinn, wenn ich alles tolerieren müsse, das ich nicht toll finde.

Dann hieße es ja aushalten oder ertragen.

Da ist vieles in dieser Welt, das ich weder toll finde noch toleriere, einiges barbarisches, menschenverachtendes davon liegt auf der ethisch-moralischen Hand, mittendrin sind Müll an Autobahnauffahrten und Scientology.  Am anderen Ende der Messlatte ist unheimlich profanes wie Rosinen und der Musikgeschmack von Mir und mir.

In meine Null-Toleranz-Wolke gehören in jedem Fall auch der unverdaulich, schlimmschlimme Wortsalat der BILD sowie der damit eingeschlossene, unerträgliche Ego-Unfug von FJW.

Das ist aber nur eine Ahnung.

Ich lese das nicht.

Ich finde das nicht toll. Und ich toleriere das nicht. Trotzdem.


PS: Eine Petition gegen FJW ist natürlich auch mehr niedlich als toll. Ob FJW weiterhin in der BILD veröffentlicht, entscheidet ganz allein und frei die BILD. Punkt. Richtig so. Ob eine Petition den Verlag unter Druck setzen kann, ist eine putzige Frage. Gut ist, dass jeder der die BILD nicht kauft oder konsumiert, den Unfug von FJW nicht lesen muss.

PSS: Die weiteren Gedanken im Beitrag von Meike Winnemuth bzgl. der derzeit so oft, schnell und radikal explodierenden Empörungen sind ohne Frage ein Thema für einen sehr spannenden und interessanten Diskurs. Aber doch bitte nicht exemplarisch anhand der BILD. Ne, wirklich nicht.

PSSS: * Aha.

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