Ich+Ich gehen nicht. Überhaupt nicht.

Musikalisch betrachtet bin ich ein Mainstream-Kind der 80er Jahre: Kajagoogoo, Laura Branigan und Hubert Kah. Trio, Depeche Mode und Gazebo. Davor hatte ich bereits alles von Queen, Abba und Pink Floyd genossen.

Vor einiger Zeit kamen Ich+Ich auf die Bildflächenerscheinung und mit dem ersten Titel „Vom Selben Stern“, der das Radio belagerte und schließlich einnahm, wurden meine 80er-Jahre-Rezeptoren ordentlich angetriggert. Und dann noch die Ideal-Humpe dabei. Das war mir genauso willkommen, wie z.B. der Rummelsnuff, der sich mit seinem Album „Halt‘ Durch!“ heimlich eingeschlichen hatte.

Rummelsnuff höre ich nicht mehr, weil er sich nicht bewährt hat. Aber das liegt nur an mir. Das nehme ich auf meine Kappe.

Bei Ich+Ich ist das anders: Aufgrund von „Vom Selben Stern“ hatte ich mir bei iTunes damals das komplette Debüt-Album gekauft. Das habe ich mir genau einmal angehört und es dann zum Rekordalbum gemacht: als das erste Album, das ich nach genau einmal anhören wieder gelöscht habe.

Strunzdoofer geht es nicht

Mein Hirn scheint so gut zu funktionieren, dass ich mich zum Schutz meiner Geistesgesundheit an kein einziges Detail mehr erinnern kann, aber das Gefühl ist jederzeit abrufbar: Unterlegt von wirklich feinen Rhythmen, wie ich sie in den 80ern lieben gelernt hatte, reimen die sich einen Scheiß zusammen, wie es schlimmer nicht sein könnte.

Und das ist obendrein so ignorant dumm, dass Boykott die einzig richtige Reaktion sein kann, denn die machen mit ihrem Herumgereime und Linksliegenlassen von Durchschnittswissen die schöne Musik kaputt.

Maus reimt sich auf Haus. Brot reimt sich auf Tod. Hass da reimt sich auf Pflaster.

Das ist beleidigend und Missbrauch am Zombie

Anhand eines Vierzeilers möchte ich es auf den Punkt bringen, den ich meine.

Man muss nicht jeden Film von Romero gesehen haben und auch die vielen anderen nicht, aber jeder der einen(!) einzigen guten Zombiefilm gesehen hat – wovon es reichlich gibt – dürfte das hier nicht aushalten:

Bevor du kamst war ich ein Zombie,
gefangen in der Dunkelheit,
du holtest mich aus meinem Käfig,
dein heißes Herz hat mich befreit.

  • Erstens: Zombies geben einen Scheiß auf Dunkelheit, denn Zombies geben einen Scheiß auf alles außer auf rohes Fleisch. Zombies sind Lebende Tote. Und das in ihnen wiedergekehrte Leben nutzen sie einzig und allein um andere zu töten. Zombies stehen einzig und allein für die Angst vor der Auferstehung. Das ist hier doch verdammt noch mal kein Friedhof der Kuschel-80er!
  • Zweitens: (Menschen)fleisch-süchtige Zombies gehören in einen Käfig. Sie zu befreien, ist dumm. Und tödlich. Sollte kein Käfig zur Verfügung stehen, hilft nur noch …
  • Drittens: Die Befreiung eines Zombies, der ausschließlich unter der unstillbaren Sucht nach Fleisch und Blut leidet, sieht so aus: Man muss einfach nur seinen Kopf zerstören, denn – Himmel-Sei-Dank – ist das immer noch die Schaltzentrale. Den Kopf kann man geschickt abtrennen, irgendwie zur Explosion bringen oder sonst wie das Gehirn zerfetzen … und schon ist der Zombie befreit. Und endlich tot. Tot tot. Nicht lebendig tot.

Der im Lied über Liebe und Erlösung singende Zombie ist also unwiderruflich tot, die Dunkelheit ist ihm latte, der Käfig macht maximalen Sinn, und zur Befreiung ist ein heißes Herz nicht ansatzweise so hilfreich wie eine Kettensäge mit Benzinmotor. #fail

Noch ein paar Beispiele

Ich bin für immer
Der König der Gezeiten
Lass meine Seele
In die Ewigkeit gleiten
Wir verschwinden alle
Im schwarzen Loch
Kannst du mich hören?
Siehst du mich noch?

Ja was denn nun? Gezeiten, Ewigkeit, Schwarzes Loch … gleiten, noch?

Dein wasserdichter Plan
Hat leider nicht geklappt
Wer weiß, wozu es gut ist
Du machst doch jetzt nicht schlapp

Wenigstens haben sie nicht schlappt genommen.

Hände weg vom Junk
Du hast genug Klamotten im Schrank
Dein Leben ist noch lang
Hör auf zu konsumieren

Danke für den konkreten Appell. Aber bitte was soll die dritte Zeile uns hier sagen? Fiel Euch nichts mit Dank, Frank, krank ein?

Wenn Ich+Ich heute im Radio, TV und Co. zu Unrecht wieder vorgedrängelt werden, schalte ich sofort aus und denke:

Wo ist das Pflaster für meinen Hass da?

Zuletzt haben Ich+Ich aber mit einer Strophe Recht:

und du glaubst ich bin stark und ich kenn’ den Weg
du bildest dir ein ich weiß wie alles geht
du denkst ich hab alles im Griff
und kontrollier was geschieht
aber ich steh nur hier oben und sing mein Lied

Jau!

PS: Und was auch immer ihr in Zukunft zerreimt. Lasst meine Zombies in Ruhe!

3 Antworten auf „Ich+Ich gehen nicht. Überhaupt nicht.“

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