der nikolaus und der böse herr r.

„schaut in die augen eurer kinder. und glaubt ihnen.“

herr r.

herr r. ist ein gestandener mann, unternehmer, mitte vierzig und führt seit vielen, vielen jahren sein mittelständisches unternehmen mit erfolg. er beschäftigt heute circa 20 mitarbeiter. heute, am 6. dezember 2008 besucht er mit seiner familie ein kleines weihnachtsfest. für die kinder wurde extra der nikolaus bestellt. der kam auch, aber leider nicht alleine.

eigentlich alles okay

herr r. steht mit seiner und vielen anderen familien im halbkreis um den nikolaus, dem sie alle gebannt zuhören. der nikolaus ist nicht nur ein geschenke schenkendes geschenk des himmels, sondern auch ein feiner entertainer. auf der suche nach dem dialog mit seinem publikum wendet er sich an herrn r. und stellt im prompt ganz einfache fragen:

„warst du auch immer lieb? tust du immer, was deine familie dir sagt? bist du im büro auch immer fleißig? …“

herr r. verliert sichtbar die konktrolle. diese haben nämlich sofort seine hormone übernommen. nennen wir es lampenfieber, nervosität oder was? er grinst ohne zu lächeln. fast fratze.

das publikum amüsiert sich laut über die kurzen, unbeholfen herausgekickerten antworten, die herr r. dem nikolaus im tausch anbietet:

„ähm, ja, öh, nein, hmm, meistens, …“

es wird viel gelacht. worüber eigentlich?

egal, bis hierhin ist ja eigentlich alles okay. dann ruft der nikolaus die exekutive. den anderen herrn r.:

„knecht ruprecht, komm mal her! der gute mann hat ein paar hiebe verdient.“

der knecht

knecht ruprecht tritt hervor. eigentlich nur eine schwarze silhouette, denn außer schwarz nix dran. herr r. verliert erneut die kontrolle. der knecht geht nämlich bedrohlich auf ihn zu, und so schreit der instinkt herrn r. ins gehör, dass es zeit wird, sich zu wehren. das darf der natürlich nicht. warum eigentlich nicht?

herr r. dreht sich devot um und bietet dem knecht ruprecht seine hinterseite an, die dieser mit ein paar symbolischen aber trotzdem echten hieben dankend annimmt.

es wird viel gelacht. worüber eigentlich?

der geprügelte herr r. wird einige minuten brauchen, um sein blut von adrenalin zu reinigen und die überrötung seines gesichts und halses rückgängig zu machen. ist ja auch kein wunder, denn der nikolaus und sein kumpane haben ihn eiskalt erwischt und ihn für kurze zeit wieder in seine kindlichen aspete versetzt.

endlich darf er zurücktreten, …

der sohn / das kind

… denn jetzt ist sein sohn an der reihe.

der sohn ist kein gestandener mann, kein unternehmer, schon 7 jahre alt, und er führt kein unternehmen. er ist kind. der nikolaus stellt wieder fragen.

wenn man bedenkt, welche stress-symptome wir eben bei herrn r. beobachten konnten, fällt es nicht schwer, zu erahnen, was nun in dem kleinen kerl tobt. er gibt kurze, knappe antworten, die wahrheitsgemäß erscheinen.

wieder wird viel gelacht. eine seele brennt.

mitten im dialog mit dem nikolaus sucht der sohn hilflos den blickkontakt zu seinem vater. der setzt prompt die oben bereits erwähnte grinsfratze wieder auf, zuckt verlegen mit den schultern und sagt nur mit seinen augen:

entweder

a) „… aber deswegen sind wir doch alle hier.“

oder

b) „du schaffst das schon. ich hab’s ja auch überstanden.“

oder

c) „ich kann dich nicht retten und da rausholen, denn dann lachen sie ja wieder über mich.“

bis zuletzt weiß der kleine, unfreiwillige held nicht, dass knecht ruprecht ihn verschonen und er statt dessen eine süße belohnung von nikolaus bekommen wird. für seine tapferkeit. (meines erachtens haben diese kinder schokonikoläuse ins lebensgröße verdient, wenn es schon materiell abgegolten werden soll.) hier gibt es zwei, drei spekulatius, und der spuk ist auch für den kleinen kerl vorbei.

eine brücke?

(ich sage: „null toleranz!“)

weiter geht es mit den anderen kleinen und großen (kindern).

irgendwann, zwischendrin versucht der nikolaus eine unerwartete brücke zu bauen, und sagt:

„knecht ruprecht ist ja garnicht so böse, der ist ja eigentlich ganz lieb.“

was er nicht sagt, ist:

„auch wenn er aussieht, wie die damals von der r.a.f., werdet ihr schon irgendwie damit klarkommen, dass der nikolaus ihn eigenlich ganz lieb findet, auch wenn er eure eltern vermöbelt und in verlegenheit gebracht hat. die können das ja ab. das konnten vielen von ihnen ja auch als kind schon gut vertragen.“

es lachen wieder alle.

der nikolaus und der böse herr r.

mein vorschlag

alle, die sich dieses jahr vermummt haben um in schwarzen klamotten mit erhobener hand vor die kinder zu treten, sollten sich in 2009 stattdessen wie der gute alte nikoalus anziehen und die kinder ein bißchen loben, ein bißchen rügen, ein bißchen aufregen und ordentlich beschenken. dann hätten wir fast doppelt soviel nikoläuse und viel weniger kinder mit herzen, die ihnen bis zum halse schlagen.

ich wette, dass es auch herrn r. damit besser gehen würde.

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